|
Spätestens ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörte der Laaer Wald
zu den am häufigsten besuchten Naherholungsgebieten im näheren Umfeld Wiens.
Vom Zentrum des im Jahre 1874 in das Wiener Stadtgebiet eingegliederten
Bezirks Favoriten, war es zu Fuß in etwa 15 Minuten zu erreichen. Aus einer
Werkskantine der Wienerberger Ziegelwerke entwickelte sich das erste
Ausflugsgasthaus, dem nach und nach weitere folgten. Dazu gesellten sich die
ersten Schaustellerfamilien, die den Grundstock des "kleinen" Praters
bildeten. Ein Viertel der Bevölkerung des Arbeiterbezirks Favoriten stammte
damals aus den Kronländern, hauptsächlich aus Böhmen und Mähren, und waren
beim größten örtlichen Arbeitgeber, den Wienerberger Ziegelwerken
beschäftigt. Dieser Umstand brachte ihnen den Beinamen "Ziegelböhm", und dem
entstandenen Vergnügungspark den Namen "Böhmischer Prater" ein. |

Schaustellerfamilie Geissler um 1900 |

Süßwarenkiosk der Familie Kazda |
Bereits im Jahre 1883 stand im Böhmischen Prater
dem Publikum ein durchaus beachtliches weitgefächertes Unterhaltungsangebot
zur Verfügung. Und mit der steigenden Zahl an Gaststätten erhöhte sich auch
das Interesse vieler Schausteller, hier ihre Geschäfte zu betreiben. Die
Zeit der genialen Tüftler begann, und führte den Böhmischen Prater zu seiner
Hochblüte, die nicht einmal vom ersten Weltkrieg nachhaltig unterbrochen
werden konnte - das schaffte erst der Zweite. Am 11. Dezember 1944 legten
Brandbomben den Böhmischen Prater in Schutt und Asche.
Nach jahrzehntelangem Wiederaufbau gelang es, dem "Familienprater" sein
heutiges Aussehen zu geben, und ihn mit seinem Nebeneinander von
Nostalgischem und Neuem unverwechselbar zu gestalten |